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Mittwoch, 2. Dezember 2015

Vögel sind wie Konfetti


Es gibt Menschen, die es für eine Bombenidee halten, zur Party in der Wohnung eine Tischbombe statt einem Sixpack Bier mitzubringen. Und um die Idee noch grossartiger zu machen, ist besagte Tischbombe u.a. mit Konfetti gefüllt. So lustig. Ich hatte einen solchen Freund. Die Erinnerung an ihn bestand deutlich länger als die Freundschaft. Denn das verdammte Konfetti war überall, wirklich überall gleichmässig in meiner Wohnung verteilt. Ein Jahr nach der Party tauchte hie und da immer noch sich hartnäckig erhaltendes Konfetti auf. 
 
Mir ist klar, jemand anderen würde das vermutlich überhaupt nicht stören. Vielleicht bin ich einfach zu negativ, zu pingelig oder mir fehlt einfach die Fähigkeit mich an bunten Papierschnippseln zu erfreuen. Aber ich konnte noch nie verstehen was genau an Tischbomben und/oder Konfetti so toll sein soll. Jedenfalls sind Tischbomben dieser Art seit jeher in meiner Wohnung strengstens untersagt.

Nun habe ich ja bekanntlich eine Katze, Nikita. Diese bringt mir zwar keine Tischbomben nach Hause (wobei mir das in Anbetracht der Tatsachen glaube ich sogar lieber wäre), aber sie ist sehr jagdfreudig. Ihr liebstes Hobby ist es, Eidechsen zu jagen – und dann irgendwann vielleicht zu töten. Oder sie überlässt die armen Tierchen ihrem Schicksal, und sie sterben langsam vor sich hin bis ich sie irgendwo finde. Ihr zweitliebstes Hobby ist Ratten fangen. Was in den Augen unserer Vermieterin Nikitas einzige Daseinsberechtigung ist. Kommen wir zu Nikitas Hobby Nummer drei, Vögel fangen. Sie tut das mit einer gewissen Beharrlichkeit. Denn entsorge ich das tote Tierchen zu bald, bringt mir die treue Nikita tatsächlich ein neues Exemplar. Was bin ich auch für ein undankbarer Mensch, einfach ihr hart erjagtes Geschenk zu verachten! Um ihrem Geschenk also mehr Nachdruck zu verleihen, platziert sie den Vogel dann in der Wohnung. 



Tote Kleintiere wie Ratten, Fledermäuse oder Eidechsen sind schnell entsorgt. Und als Katzenbesitzerin ist man ja abgehärtet. Aber Vögel... Vögel haben Federn. Und diese verdammten Federn verteilen sich verdammt nochmal überall in der Wohnung. Auf dem Boden, in der Luft, an den Wänden, unter dem Bett, unter dem Sofa... setze die Liste beliebig lang fort. Und auch nach wiederholtem, sehr gründlichem Putzen fliegen hin und wieder immer noch Vogelfedern durch die Wohnung. In diesem Sinne, Vögel sind wie diese mit Konfetti gefüllten Tischbomben. Danke Nikita, für ein Geschenk an dem wir lange Freude haben werden...

Fazit: Mache Freunden wie Katzen möglichst von Anfang an deine geschenktechnischen Vorlieben klar. Vielleicht nützt es ja was...

Notiz am Rande: Ich habe diesen Text im Computer an meinem Arbeitsplatz geschrieben, der eine spanische Tastatur hat. D.h. alle Umlaute musste ich via Sonderzeichen einfügen oder mir schlaue Umlaut-freie Synonyme ausdenken. Man beachte meine Hingabe an diesen Blog.

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Nikita

Rote Katzen lieben mich. Denn es sind immer die Roten, die mich aussuchen. Jawohl, die mich aussuchen. Es ist nämlich nicht so, als hätte ich jemals aktiv entschieden, eine Katze zu adoptieren. Nein, diese Fellknäuel finden immer mich. Und es sind jeweils sie, die entscheiden, «So, bei diesem Menschen bleibe ich jetzt».

Die meisten, die diesen Blog lesen, kennen Mino und Chili. Der eine ein hellroter, mexikanischer Kater, der einen an der Waffel hat. Der andere ein roter rundlicher Kater, der Ähnlichkeiten mit Dreamworlds Version des gestiefelten Katers hat. Ich wollte weder damals in Mexiko eine Katze, noch eine zusätzliche als ich wieder zurück in der Schweiz war. Aber irgendwie hat es sich einfach so ergeben. Mino blieb bei mir, statt zu seinen eigentlichen Besitzern zu kommen und Chili übernahm ich von meinen Eltern. Und natürlich habe ich beide in mein Herz geschlossen. Mein innigster Dank an dieser Stelle an die neuen (vorübergehenden) Adoptivmamis und -papis der beiden. 

Nach meinem Neustart hier in Mexiko war ich aber sicher, ich wollte keine neue Katze mehr. Entweder Mino zu mir holen oder gar keine. Ausserdem bedeuten Haustiere auch langjährige Verpflichtungen, die ich sicher wahrnehmen und können will. Also, zu diesem Zeitpunkt garantiert keine neue Katze mehr. Dann tauchte das Plappermaul Nikita auf.

Nikita, mal ganz graziös...
Damals noch eine namenlose rote Strassenkatze mit leichtem Überbiss und kräftiger Stimme. Eines Tages entschied sie einfach, sie gehört jetzt zu mir. Indem sie uns einfach ins Haus folgen wollte - als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Anfangs versuchte ich mich noch zu widersetzen und stellte ich ihr einfach draussen Futter hin. Aber dann hat sie mich doch überredet. Wortwörtlich. Denn sie ist äusserst gesprächig. Egal ob es drei Uhr morgens ist, wenn sie uns unbedingt mitteilen muss, dass sie jetzt wieder zu Hause ist und was sie alles spannendes erlebt hat, oder zehn Uhr früh, wenn ich mich versuche auf meine Arbeit zu konzentrieren. Aber das Gemiaue ist eben schon auch irgendwie herzig. Okay, sie ist extrem herzig. Und hat unsere Herzen im Sturm erobert.

...mal weniger.

Seit knapp drei Monaten verbringt sie jetzt 90% vom Tag zu Hause und folgt mir dort auf Schritt und Tritt. Vergessen sind die Tage, als sie auf der Strasse lebte. Vor allem zur Fütterungszeit. In diesen wenigen Wochen ist aus der kleinen, zerrupften Strassenkatze eine hübsche Katzendame mit glänzendem Fell geworden. Ihre Dankbarkeit drückt sie in Form von toten Ratten, Eidechsen und Vögeln aus. Ja, mein Herz wurde wieder von einer Katze gestohlen.


Fazit: Wenn man eine Katze zur Adoption freigeben will, sollte man das unbedingt im ersten Monat nach dem Kennenlernen tun. Sonst brechen Herzen.